Arbeitsunfälle in Deutschland 2023: Branchen, Berufsgruppen und Risiken

Arbeitsunfälle in Deutschland 2023 – eine Auswertung 8/2025

Statistische Auswertung und Analyse der wichtigsten Unfallursachen

Unfallträchtigste Branche: Das Handwerk

Im Jahr 2023 wurden laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) insgesamt 218.917 meldepflichtige Arbeitsunfälle im Handwerk registriert. Das Handwerk ist damit die unfallträchtigste Branche in Deutschland, gefolgt von Bereichen wie Maschinenbau/Montage, Hilfsarbeitskräften und dem Dienstleistungs- und Verkaufssektor. Zu den handwerklichen Tätigkeiten zählen unter anderem Baugewerbe, Ausbauhandwerk, Elektrotechnik sowie Holz- und Metallverarbeitung. Die hohe Zahl von Unfällen im Handwerk erklärt sich durch viele körperlich anspruchsvolle Aufgaben, Arbeiten in großer Höhe, häufige Baustellenwechsel und den Einsatz schwerer Maschinen. Diese Faktoren erhöhen das Unfallrisiko deutlich.

Wegeunfälle und ihre Bedeutung

Neben klassischen Arbeitsunfällen, die direkt am Arbeitsplatz passieren, werden in der Statistik auch sogenannte Wegeunfälle erfasst. Sie entstehen auf dem Weg zur oder von der Arbeit und machen einen bedeutenden Anteil der Gesamtzahlen aus. Verkehrsunfälle, die auf dem Arbeitsweg passieren, sind nach wie vor ein zentrales Problem – besonders in den dunklen und kalten Monaten wie dem November, wenn schlechte Sicht und glatte Straßen die Unfallgefahr erhöhen. Trotz Homeoffice und flexibler Arbeitszeiten bleibt der Arbeitsweg für viele Beschäftigte ein tägliches Risiko, das durch Faktoren wie Stress, Müdigkeit und Wetterbedingungen zusätzlich beeinflusst wird.

Entwicklung der Betriebsunfälle und tödliche Arbeitsunfälle

Die Analyse der Jahre 2017 bis 2024 zeigt, dass klassische Betriebsunfälle zahlenmäßig überwiegen. Besonders auffällig ist der Zusammenhang zwischen Branchen mit vielen Unfällen und der Zahl tödlicher Arbeitsunfälle: Im Jahr 2023 kamen 93 Menschen im Handwerk ums Leben – mehr als in jeder anderen Berufsgruppe. Auf Platz zwei folgen tödliche Unfälle in Anlagen/Maschinen/Montage mit 68 Todesfällen, dicht gefolgt von Hilfsarbeitskräften mit 52 Todesfällen. In diesen Bereichen führt oft Zeitdruck, der Umgang mit Maschinen, Stromquellen und schwere Lasten zu einem erhöhten Risiko. Mangelnde Sicherheitseinweisungen oder geringe Qualifikationen sind bei Hilfsarbeitskräften ein zusätzlicher Risikofaktor.

Der Dienstleistungs- und Verkaufsbereich verzeichnete 25 tödliche Arbeitsunfälle, wobei das Risiko hier oft weniger offensichtlich ist: Straßenverkehr, Lieferdienste und gewerbliche Dienstleistungen bergen unterschätzte Gefahren. Selbst in vergleichsweise sicheren Berufsgruppen wie Bürokräften (11 Todesfälle), Technikberufen (13), Land- und Forstwirtschaft (5), akademischen Berufen (3) und Führungskräften (2) kommen tödliche Unfälle vor, wenn auch seltener. Die Statistik zeigt, dass prinzipiell jede berufliche Tätigkeit mit Unfallrisiken verbunden ist.

Unternehmensgröße und Unfallrisiko

Die Unternehmensgröße beeinflusst das Unfallrisiko deutlich. In kleinen Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten liegt die Unfallrate bei 25,8 je 1.000 Personen, in Kleinstbetrieben mit bis zu neun Angestellten sogar bei 20,1. Mit zunehmender Betriebsgröße sinkt die Unfallhäufigkeit: Große Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden erreichen mit 17,0 Unfällen pro 1.000 Beschäftigten den niedrigsten Wert. Ursachen hierfür liegen in besseren Arbeitsschutzmaßnahmen, mehr Ressourcen, strukturierte Sicherheitsschulungen und klarer Aufgabenverteilung in Großbetrieben. Kleinere Betriebe können oft weniger konsequent Sicherheitsvorschriften umsetzen und sind organisatorisch häufiger überfordert.

Typische Verletzungsarten und statistische Auffälligkeiten

Auch die Art der Verletzungen wurde statistisch erfasst: Am häufigsten wurden Wunden und Zerrisse (224.440 Fälle), Schnitt- und Platzwunden, Prellungen (186.243 Fälle) sowie Verstauchungen und Verdrehungen (132.232 Fälle) gemeldet. Oberflächliche Zerreißungen (127.557), geschlossene Frakturen (82.675) und Quetschungen (32.857) sind weitere typische Verletzungsarten im Arbeitsalltag. Seltener, aber oft gravierender sind Verbrennungen (16.872), Infektionen oder Vergiftungen (14.683), Luxationen (5.391) und offene Frakturen (5.014).

Fazit

Zusammenfassend zeigen die ausgewerteten Daten, dass das Handwerk und verwandte manuelle Berufe das mit Abstand höchste Unfallrisiko tragen – sowohl hinsichtlich der Häufigkeit als auch der Schwere der Unfälle. Kleinere Betriebe sind überproportional betroffen, und klassische Verletzungen wie Schnittwunden, Prellungen und Frakturen dominieren das Bild. Dennoch sind Todesfälle und schwere Verletzungen in nahezu allen Berufsgruppen möglich, was die Bedeutung konsequenter Arbeitssicherheitsmaßnahmen unterstreicht.

Quelle: Zusammengefasst nach:  Ergonomed. August 2025 Originalautor Tim Teschner

Ihr Betriebsarzt Thomas Riebschläger