Unfälle im Garten- und Landschaftsbau – erkennen, vermeiden, richtig handeln

 

Unfälle im Garten- und Landschaftsbau – erkennen, vermeiden, richtig handeln

 

Der Garten- und Landschaftsbau zählt zu den unfallträchtigsten Gewerken in Deutschland. Arbeiten im Freien, wechselnde Einsatzorte, schwere Maschinen, handgeführte Werkzeuge, Zeitdruck und Witterungseinflüsse schaffen ein Arbeitsumfeld, das hohe Anforderungen an Sicherheit, Aufmerksamkeit und Organisation stellt. Als Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit erlebe ich in der Praxis immer wieder, dass Unfälle selten „einfach so“ passieren – meist kommen mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen .

Warum Unfallprävention im GaLaBau so wichtig ist

Jährlich ereignen sich im Garten- und Landschaftsbau in Deutschland rund 12.000 bis 13.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle. Regelmäßig kommt es dabei auch zu schweren oder tödlichen Verletzungen. Besonders häufig betroffen sind Hände, Füße, Knie und der Kopf – also genau die Körperregionen, die im Arbeitsalltag stark beansprucht und oft unzureichend geschützt sind .

Baustellen, Maschinen, wechselnde Bodenverhältnisse, Wetter und Zeitdruck bilden eine gefährliche Kombination. Wichtig ist: Unfälle sind in der Regel nicht zufällig, sondern folgen bestimmten Mustern. Wer diese Muster kennt, kann Risiken frühzeitig erkennen und gezielt gegensteuern.

Häufige Unfallursachen im Garten- und Landschaftsbau

Zu den typischen Unfallursachen zählen vor allem Stolpern, Rutschen und Umknicken auf unebenem oder rutschigem Untergrund. Auch Arbeiten an Böschungen und Hanglagen bergen ein hohes Sturzrisiko. Hinzu kommen Baum- und Gehölzarbeiten sowie der Einsatz von Hecken- und Motorsägen, bei denen es häufig zu Schnittverletzungen kommt. Quetschungen durch Maschinen oder schwere Lasten sowie Stürze von Leitern oder Fahrzeugen sind weitere klassische Unfallmechanismen .

Das „Schweizer-Käse-Modell“: Wie Unfälle entstehen

Ein hilfreiches Modell zur Erklärung von Arbeitsunfällen ist das sogenannte Schweizer-Käse-Modell. Es verdeutlicht, dass ein Unfall meist nicht durch einen einzelnen Fehler entsteht, sondern durch das Zusammentreffen mehrerer Schwachstellen:

  • Menschliche Faktoren wie Müdigkeit, Routine oder Unachtsamkeit
  • Organisatorische Faktoren wie Zeitdruck, unklare Abläufe oder fehlende Unterweisungen
  • Technische Faktoren wie Maschinen, Werkzeuge oder mangelhafte Schutzeinrichtungen
  • Umgebungsfaktoren wie Bodenbeschaffenheit oder Wetter

Erst wenn sich diese „Löcher“ ungünstig überlagern, kommt es zum Unfall. Genau hier setzt wirksame Prävention an .

Typische Verletzungsmuster und was sie bedeuten

Schnittverletzungen an Hand und Arm entstehen häufig durch Motorsägen oder Heckenscheren. Sie können zu starken Blutungen, klaffenden Wunden, Gefühlsstörungen und dauerhaften Bewegungseinschränkungen führen. Neben dem unmittelbaren Verletzungsrisiko drohen lange Ausfallzeiten und bleibende Schäden.

Quetschverletzungen betreffen meist Finger, Hände oder Füße. Sie sind extrem schmerzhaft, gehen oft mit Schwellungen oder Blutergüssen einher und können Knochenbrüche verursachen. Gerade bei Maschinenunfällen wird die Schwere der Verletzung häufig unterschätzt.

Umknick- und Sturzverletzungen zählen zu den häufigsten Unfallarten. Betroffen sind vor allem Sprunggelenke und Knie. Unebener Boden, Böschungen und rutschiger Untergrund erhöhen das Risiko erheblich. Auch vermeintlich „harmlose“ Stürze können langfristige Folgen haben.

Knochenbrüche entstehen meist durch Stürze oder schwere Lasten. Typisch sind starke Schmerzen, Fehlstellungen und eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit. Unsachgemäßes Verhalten nach dem Unfall kann die Verletzung verschlimmern.

Kopfverletzungen sind besonders kritisch. Sie entstehen durch Stürze oder Anstoßen und äußern sich durch Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Bewusstseinsstörungen. Auch scheinbar leichte Kopfverletzungen müssen ernst genommen werden, da sich Symptome verzögert entwickeln können .

Erste Hilfe: richtig handeln, Folgeschäden vermeiden

Schnelle und sachgerechte Erste Hilfe kann entscheidend sein – nicht nur für die Gesundheit der betroffenen Person, sondern auch für den weiteren Heilungsverlauf und die Arbeitsfähigkeit.

  • Bei Schnittverletzungen gilt: Eigenschutz beachten, Blutung stillen (z. B. Druckverband), Wunde nicht manipulieren und bei starken Blutungen sofort den Rettungsdienst (112) alarmieren.
  • Bei Quetschungen: Arbeit sofort beenden, kühlen, hochlagern, Ringe entfernen und bei starken Schmerzen ärztlich abklären lassen.
  • Bei Umknickverletzungen hilft die PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern).
  • Bei Knochenbrüchen: Ruhigstellen, nicht „einrenken“, kühlen, offene Wunden abdecken und bei schweren Verletzungen den Notruf wählen.
  • Bei Kopfverletzungen: Unfall immer ernst nehmen, betroffene Person beobachten, nicht allein lassen, keine Belastung zulassen und bei Warnzeichen sofort 112 rufen .

Meldekette und Unfallaufarbeitung

Nach einem Arbeitsunfall ist nicht nur die medizinische Versorgung wichtig, sondern auch die korrekte Organisation danach. Bei Bewusstlosigkeit oder starker Blutung muss unverzüglich der Notruf 112 erfolgen. Vorgesetzte sind zu informieren, Erste-Hilfe-Leistungen müssen dokumentiert werden.

Für die Unfallaufarbeitung gilt: Die Unfallstelle möglichst nicht verändern, Fotos machen, Maschinen sichern, Aussagen festhalten und Berufsgenossenschaft sowie Betriebsarzt informieren. Nur so lassen sich Ursachen analysieren und Wiederholungen vermeiden .

Selbstgefährdung vermeiden – Eigenschutz geht vor

Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Selbstgefährdung von Helfenden. Eigenschutz hat immer Vorrang. Rettungsmaßnahmen dürfen nicht auf eigene Gefahr erfolgen. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist konsequent zu nutzen, und bei Unsicherheit sollte die Arbeit gestoppt werden. Sicherheit beginnt immer bei der eigenen Entscheidung .

Fazit

Unfälle im Garten- und Landschaftsbau folgen klaren Mustern. Viele Verletzungen sind vermeidbar, wenn Risiken erkannt, Schutzmaßnahmen eingehalten und Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufgefrischt werden. Verantwortungsbewusstes Handeln schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch Kolleginnen und Kollegen. Denn eines gilt immer: Der beste Unfall ist der, der nicht passiert.


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Erste Hilfe – Fit für den Notfall

Erste Hilfe – Fit für den Notfall

Die Ausbildung von Ersthelfern im Betrieb ist genau, wie die Absolvierung eines Erste-Hilfe-Kurses beim Führerschein durch den Gesetzgeber geregelt.

Im $ 26 der DGUV Vorschrift 1 (Grundsätze der Prävention) ist geregelt, dass je nach Art des Betriebes zwischen 5 und 10 % der Mitarbeitenden zum Ersthelfer auszubilden sind. Zu diesem Zweck erfolgt eine Ausbildung durch zugelassene Organisationen, wie zum Beispiel das DRK, den ASB oder die Johanniter vor Ort im Betrieb oder in entsprechend geeigneten Schulungsstätten.

Inhalte der 8 stündigen Kurse, die jeweils für 2 Jahre eine ausreichende Qualifikation gewährleisten, sind Grundsätze der Organisation der Ersten Hilfe, Verbandkunde und typische Symptome bei schweren Gesundheitsstörungen. Im Vordergrund der Ausbildung stehen praktische Übungen, vorwiegend der Herz-Lungen-Wiederbelebung oder auch die Handhabung eines automatischen Defibrillators (AED).

Die Kosten für die Kurse werden von den Berufsgenossenschaften übernommen. Bei der Anzahl der für einen Betrieb erforderlichen Ersthelfer gilt es auch Organisationseinheiten, räumliche Nähe oder zum Beispiel die Gegebenheiten im Außendienst und auf Baustellen zu berücksichtigen.

Ihr Betriebsarzt

Thomas Riebschläger

Erste Hilfe – Verantwortung für alle

Erste Hilfe – Verantwortung für alle  8/2023

Die Organisation der ersten Hilfe ist eine der wesentlichen betriebsärztlichen Aufgaben.

Dabei berate ich zu der Anzahl der Ersthelfer, der Ausstattung der Erste-Hilfe-Kästen und in den letzten Jahren immer öfter auch zur Aufstellung und Verwendung von automatischen Defibrillatoren, den sogenannten AED. Diese dienen dazu, einen Menschen der einen Herzstillstand erleidet, wiederzubeleben.

Doch nicht nur in Betrieben, auch im öffentlichen Raum ist die passende Ausstattung mit Erste-Hilfe-Materialien erforderlich.

Der Schnappschuss aus dem Rathaus in Hannover zeigt, dass leider das allgemeine Bewusstsein für die Wichtigkeit intakter Erste-Hilfe-Einrichtungen kein Allgemeingut ist.

Auch die Kennzeichnungen und Fluchtwegbeschilderungen wurden von den Besuchern offenbar nicht für wirklich wichtig erachtet.

Vielleicht fehlt es da an Aufklärung.

Motivierte Ersthelfer, gute Erste-Hilfe-Ausbildung, einsatzbereites Erste-Hilfe-Material sind erforderlich, um im betrieblichen Umfeld und im öffentlichen Raum eine Notfallversorgung vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes zu gewährleisten.

Anderen Menschen zu helfen erfordert Mut und Engagement. Den freiwilligen Helfern gilt unser Dank und unsere Hochachtung!

Thomas Riebschläger